Geboren am 27. November 1987 in Kirn, Rheinland-Pfalz
„Warum lässt sich unsere Welt überhaupt mit Mathematik beschreiben?"
Seit meiner Jugend begleitet mich diese Frage, auf die ich bis heute keine endgültige Antwort gefunden habe. Dass sich die Bewegung von Planeten, die Entstehung von Sternen oder sogar das gesamte Universum mit einer Handvoll mathematischer Gleichungen beschreiben lassen, erscheint mir bis heute erstaunlich. Es hätte schließlich auch ganz anders sein können. Warum steckt hinter der Natur eine Ordnung, die wir erkennen können? Warum scheint das „Buch der Natur" in der Sprache der Mathematik geschrieben zu sein?
Diese Frage hat mein Leben geprägt. Den entscheidenden Anstoß gab Stephen Hawkings Das Universum in der Nussschale. Nach der Lektüre stand für mich fest, dass ich theoretischer Astrophysiker werden wollte. Meine Schule ermöglichte mir deshalb bereits als Schüler den Besuch von Vorlesungen in Physik und Mathematik an der Universität des Saarlandes. Aus dieser frühen Begeisterung entwickelte sich mein wissenschaftlicher Weg – über das Physikstudium, die Promotion in theoretischer Astrophysik sowie Forschungsaufenthalte in Cambridge und am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics.
„Mathematik war für mich dabei nie nur ein Werkzeug. Ich liebe sie als Sprache."
Es gibt Abende, an denen ich mich in einer Rechnung verliere und erst Stunden später merke, wie spät es geworden ist. Nicht, weil ich muss, sondern weil ich wissen möchte, was hinter dem nächsten Schritt steckt. Ich glaube, jeder theoretische Physiker kennt diese seltenen Augenblicke, in denen sich nach vielen Seiten voller Gleichungen plötzlich alles zusammenfügt. Aus scheinbarem Chaos entsteht eine überraschend einfache Struktur. Genau diese Momente faszinieren mich bis heute.
Vielleicht begeistert mich deshalb bis heute keine Formel mehr als die Einsteinschen Feldgleichungen. Sie gehören für mich zu den schönsten Gleichungen der Physik: verblüffend kompakt und zugleich in der Lage, die Struktur unseres Universums zu beschreiben. Dass sich mit wenigen mathematischen Symbolen Raum, Zeit, Gravitation und die Entwicklung des Kosmos beschreiben lassen, erscheint mir bis heute beinahe unglaublich.
Einsteinsche Feldgleichungen – sie beschreiben, wie Materie und Energie die Krümmung von Raum und Zeit bestimmen.
Nach meiner Promotion führte mich diese Begeisterung in eine neue Richtung: zur SAP. Für manche mag das wie ein Bruch wirken. Für mich war es dieselbe Denkweise in einem anderen Anwendungsfeld. An die Stelle von Sternen, Galaxien und Schwarzen Löchern traten komplexe Softwaresysteme und große Datenmengen. Auch hier geht es darum, Muster zu erkennen, Zusammenhänge zu verstehen und aus Komplexität Klarheit entstehen zu lassen. Besonders reizt mich dabei die Möglichkeit, an Technologien mitzuwirken, die täglich von Millionen Menschen genutzt werden.
Die Wissenschaft habe ich dennoch nie verlassen. Mit der Professur an der Hochschule Fresenius konnte ich Forschung, industrielle Praxis und Lehre miteinander verbinden. Wissen weiterzugeben war mir immer wichtig. Ich wünsche mir, dass Studierende Mathematik nicht nur als Werkzeug kennenlernen, sondern als eine Sprache, mit der sich die Welt beschreiben lässt.
Aus demselben Grund schreibe ich Bücher. Wenn ein Leser nach einem meiner Bücher die Welt mit etwas anderen Augen betrachtet oder beginnt, sich dieselben Fragen zu stellen, die mich seit meiner Jugend begleiten, dann hat das Buch seinen Zweck erfüllt.
„Schwarze Löcher führen uns unmittelbar an die Grenzen unseres Wissens."
Sie gehören zu den extremsten Objekten unseres Universums und zwingen uns, über Raum und Zeit, über Quantengravitation und letztlich über die Frage nachzudenken, warum unser Universum überhaupt existiert.
Wenn ich mich nicht mit Physik, Mathematik oder Software beschäftige, verbringe ich viel Zeit mit Musik. Am Klavier begleiten mich besonders Chopin, Schubert und Satie; an der E-Gitarre schlägt mein Herz für die Rockmusik. Sport bildet dazu einen willkommenen Ausgleich – früher auf dem Handballfeld, heute überwiegend im Fitnessstudio.
Rückblickend hatte ich das Glück, in unterschiedlichen Welten arbeiten zu dürfen: in der Wissenschaft, der Industrie und der Lehre. Denn unabhängig davon, ob ich über Schwarze Löcher, mathematische Modelle oder Softwarearchitekturen nachdenke, treibt mich bis heute dieselbe Neugier an: zu verstehen, warum hinter der Komplexität unserer Welt so oft eine erstaunlich einfache Ordnung verborgen liegt.